13. Mai 2020

Forderung: Maßnahmenpaket zur Sicherung europäischer Medikamentenversorgung

In den letzten Jahren sind die Zahlen der Versorgungsengpässe bei Arzneimitteln kontinuierlich angestiegen. Im April dieses Jahres waren bei über 400 als versorgungsrelevant eingestuften Arzneimitteln Lieferengpässe gemeldet.
Im Nachgang der Corona-Krise könnten sich Engpässe weiter verschärfen, weil die Produktion in China und Indien teilweise zum Stillstand kam und Ausfuhrbeschränkungen erlassen wurden.

Dazu der Vorsitzende der JU Rheinland-Pfalz Jens Münster: „Die gemeldeten Engpässe treffen dabei nicht nur relativ leicht auszutauschende Präparate, wie Ibuprofen oder Paracetamol. In der Liste finden sich auch Krebsmedikamente, Antidepressiva, Blutdruckmedikamente, Antibiotika und zahlreiche andere Präparate. Engpässe bei Antidepressiva oder Blutdrucksenkern können zu handfesten Problemen in der Therapie führen. Patienten wurden aufwändig auf ein Präparat eingestellt und ein Wechsel ist oft schwierig.“

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Jungen Union Rheinland-Pfalz Christopher Hauß spricht sich ebenso für Verbesserungen in der Versorgungssicherheit aus: „Im letzten Jahr wurden schon zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht. Diese müssen aber weiter ergänzt werden. Es muss auf europäischer Ebene eine langfristige Lösung gefunden werden, wie Wirkstoffengpässe vermieden werden. Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass elementare Arzneimittel nicht lieferbar sind. Eine wichtige Stellschraube findet sich beispielsweise bei Rabattverträgen. Diese sollten zukünftig nur noch an mindestens drei Hersteller mit mindestens zwei unterschiedlichen Wirkstoffproduzenten vergeben wer-den dürfen. Dazu sind weitere Maßnahmen zu ergreifen, um der Konzentration der Marktanteile auf wenige Hersteller entgegenzuwirken. Außerdem müssen Arbeits- und Umweltschutzbedingungen in der Produktion bei der Vergabe von Rabattverträgen berücksichtigt werden. Der Kostennachteil europäischer Hersteller könnte damit zumindest teilweise kompensiert und eine europäische Produktion attraktiver werden. Des Weiteren ist zu prüfen, wie Lagerkapazitäten aufgebaut werden können, um den Bedarf im Falle eines Lieferengpasses zu decken. Beispielsweise könnte eine erweiterte Lagerhaltung bei den pharmazeutischen Großhändlern gefördert und vorgeschrieben werden. In Summe muss ein Maßnahmenpaket ausgearbeitet werden, das die europäische Versorgungssicherheit langfristig verbessert und sichert.“