30. Dezember 2011

Twitter-Kurt hat ausgezwitschert.

Quelle: raymondfong.net

Quelle: raymondfong.net

Ein Nachruf.

Die Zusammenarbeit zwischen SPD-Landesgeschäftsstelle und Kurt Beck wurde beendet. Zumindest bei Twitter.

Kurt Beck also nicht mehr auf Twitter. Ein Schock. Die Netzgemeinde in tiefer Trauer. Oder so ähnlich.

Aus diesem Twitter-Rücktritt könnte man (als Schelm, der Böses dabei denkt) schließen, dass die Anmeldung vor rund 2 Jahren doch nur Wahlkampf aus der SPD-Landesgeschäftsstelle gewesen wäre. Mit dem einzigen  Ziel Kurt Beck gegen die dynamische und online-affine Julia Klöckner nicht allzu alt aussehen zu lassen. „Ja“, sagte die SPD selbst damals schon frei heraus:

„Der Account wird in der Landesgeschäftsstelle in enger Absprache mit Beck betreut“, so SPD-Landesgeschäftsführer Stefan Wilhelm zur Rhein-Zeitung 2009.

Die SPD-Arbeitsgemeinschaft „AG online“ (mir bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannt) soll damals den Anstoß gegeben haben diesen Account für ihren Vorsitzenden einzurichten. Folglich wäre diese ominöse AG nach dem klammheimlichen Twitter-Rücktritt ihres Vorsitzenden gescheitert. Naja, aber dies ist wohl ein anderes Fass.

Doch wieso hat man Kurt Becks Account vom Netz genommen? Hat man eingesehen, dass es keinen Sinn macht, andere „twittern zu lassen“? Oder doch nur, weil der Wahlkampf vorbei ist und man nun spart, wo man kann (sei es auch nur ein Twitter-Account)? Ein offizielles Statement der SPD dazu gab es nicht. Eigentlich schade.

Doch wie kam es überhaupt soweit?

Vermutlich hätte den nicht mehr zwitschernden Kurt Beck niemand vermisst, doch ein Tweet von Martin @Wohlrabe offenbarte Donnerstagmorgen um 9:12 die „Hiobsbotschaft“:

Und auch die tweetfreudige Rhein-Zeitung (@rheinzeitung) in Person von Lars Wienand reagierte um 10:01  prompt hämisch mit einem ebenfalls treffenden Tweet.

 

Weitere Reaktionen der schwer trauernden Netzgemeinde blieben aus. Warum, darf sich jeder selbst fragen…

An diesem Punkt sollte wohl auch der Chefredakteur der Rhein-Zeitung einen angemessenen Platz finden, der bereits kurz nach Start des Accounts bloggte: „Auch ein SPD-Landesvorsitzender und Ministerpräsident sollte Web2.0 entweder konsequent machen – oder konsequent lassen. Für Twitter heißt das: Entweder selber twittern – oder gar nicht. Zumal dann nicht, wenn man mit Julia Klöckner eine mögliche Gegenkandidatin bekommt, die erkennbar selbst und authentisch twittert.“

Den gesamten lesenswerten Blogpost „Was Beck so twittern lässt“ gibt’s hier: http://blog.rhein-zeitung.de/?p=4008

Andere Medien waren da nicht ganz so investigativ und titelten im rheinland-pfälzischen Wahlkampf „Der Twitter-Kurt“ (ohne Gegencheck, ob er denn auch selbst twittert), den ich mir mal für den Titel dieses Blogposts entliehen habe. Danke, lieber Spiegel!

Und nun zum Ende noch ein wahrer Klassiker unter den Beck’schen Tweets:

In diesem Sinne.

#twoff.

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Update [03.01.2012]: Die Rhein-Zeitung greift das Thema auf “Twitter: SPD meldet Beck ab” unter www.ku-rz.de/beckweg