23. September 2019

Sanierungsfall Ludwigshafen

Wie viele Kommunen in Rheinland-Pfalz leidet auch Ludwigshafen an einer maroden Infrastruktur. Zwar hat die Stadt erkannt, dass etwas passieren muss, doch bei den großen Bauprojekten der kommenden Jahre fehlt es an Alternativen und konkreten Maßnahmen, die zu einer Besserung der Lage führen würden.

„Gesperrt“ – das mussten am 22. August viele mittlerweile genervte Autofahrer lesen, die über die Hochstraße Süd eigentlich nur zur Arbeit kommen wollten. Indes drohen nicht nur weitere Blockaden auf der Straße, sondern auch in der Politik. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) erklärte das Hochstraßenprojekt jüngst zur Chefsache – doch passiert ist bislang nicht wirklich viel.

Angesichts der Masse und Schwere der Aufgaben, die Ludwigshafen in der Gegenwart und Zukunft zu bewältigen hat, mag manch einer anfangen zu zweifeln – doch es gäbe eine Reihe von Maßnahmen, die sofort Abhilfe schaffen würden.

Kommunale Probleme sind oft auf Strukturschwächen in der Landespolitik zurückzuführen. Gerade in den 30 Jahren SPD Dominanz hat sich die Liste der verfehlten und aufgeschobenen Projekte bis ins Bodenlose verlängert!

Für ein Gelingen all der Projekte, die in unserem Land anstehen und anstehen werden fordern wir einen geeigneten Rahmen, der den oft alleingelassenen Kommunen Unterstützung und fachlich auch Beratung anbietet. In einer solchen Runde müssen sich Vertreter sowohl aus der Landespolitik als auch aus den jeweiligen aktuellen Problemkommunen wiederfinden. Das beiderseitige Ziel muss hier eine schnelle und kompetente Beratung sein, auch im Austausch mit Nachbarkommunen, die zusätzlich Hilfestellung geben können.

Am Beispiel Ludwigshafen sieht man wie es nicht laufen darf: Eine Stadt, die mit der Situation überfordert ist. Wie sollen so die anstehenden Bauprojekte wirkungsvoll angegangen werden?

Hier werden die Bürgerinnen und Bürger bereits zu Leidtragenden. Sperrungen auf der maroden Nordtrasse (B 44) mit täglich 44.000 Fahrzeugen, deren Insassen ihre Zeit auch lieber auf Arbeit verbringen würden als im Stau. Die auf einer Strecke von 500m gesperrte Hochstraße Süd (B 37) und ein veraltetes Rathaus mit einem Einkaufscenter, das zumindest teilweise abgerissen werden muss. Mindestens 10 Jahre muss an beiden letzteren Baustellen gearbeitet werden, sofern alle Baumaßnahmen planmäßig abgeschlossen werden können. Spätestens bei Rückbaubeginn müssen dazu ein Großteil der 59.000 Fahrzeuge, die die Hochstraße Süd jeden Tag nutzen, abgefangen werden.

Wie soll das funktionieren?

Vor allem die Junge Generation sorgt sich um die Perspektive einer ganzen Region. Die Junge Union (JU) hat sich nun einen Maßnahmenkatalog überlegt, der schnell Abhilfe verspricht und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lässt.

Die Junge Union setzt sich für eine höhere Taktung im ÖPNV ein, denn gerade in Stoßzeiten sind Bus und Bahn meist gnadenlos überfüllt. Auch braucht es mittelfristig ein neues Konzept über neu einzurichtende Streckenverbindungen, da sich mit der Sanierung (oder einem Abriss) übergangsweise Schnittstellen im ÖPNV ändern. Für Autofahrer braucht es eine intelligente Lösung im Straßenverkehr, damit der Arbeitsweg nicht zur Staufalle wird. Park & Ride Systeme sind eine willkommene Lösung. Morgens mit den Kollegen in einem PKW auf einem Parkplatz in den äußeren Stadtteilen bequem parken. Von dort aus mit einem 365 Euro-Ticket im Expresszug schnell zur Arbeit. Dabei ist es sinnvoll, wenn die großen Ludwigshafener Firmen mit ins Boot geholt werden. Ihre Mitarbeiter müssten sich dann nach diesem Konzept richten, sofern sie nicht aus der Stadt kommen. Somit wären die Straßen frei für diejenigen, die zu kleineren Firmen müssen und für die sich eine Anbindung an den ÖPNV zeitlich nicht lohnt.

Dominik Jermann, Mitglied des AK Infrastruktur der JU Rheinland-Pfalz aus Ludwigshafen, stellt hierzu fest: „Die VRN/RNV hätte so auch diejenigen Linien besetzt, die sich allein schon durch den Berufsverkehr finanzieren! Kontrolle dieses Systems ginge z.B. über eine elektrisch erfassbare Plakette am Auto, um den innerstädtischen Verkehr zu kontrollieren. Auch für die Pendler aus Baden-Württemberg muss der Bahnverkehr erhöht werden. Gleichzeitig sollte über den Bau einer urbanen Seilbahn diskutiert werden.“

Für in Ludwigshafen lebende und arbeitende Menschen könnten attraktive Anreizmodelle, wie schnelle Radwege, geschaffen werden. Dadurch würde das Leben in der Stadt attraktiver und mehr Leute ziehen in die Stadt, was sich positiv auf die Stadtkasse auswirkt.

Langfristig braucht es eine dritte Rheinquerung!

Dieses Maßnahmenpaket würde die Stadt, die Arbeitgeber und nicht zuletzt die Menschen, die in Ludwigshafen leben oder arbeiten, massiv entlasten und neue Zukunftschancen schaffen.

Deshalb fordert die Junge Union in Rheinland-Pfalz, die Stadt Ludwigshafen, den Landkreis und das Land dazu auf, dieses Maßnahmenpaket zu prüfen und in die Tat umzusetzen. Dieses Konzept funktioniert nur mit klaren Absprachen und Regeln! Denn irgendwann legt selbst der kleinste Mikroriss die Verkehrsadern einer ganzen Region lahm!