18. September 2017

Gegen das Vergessen – Erinnerung an die jüdischen Mitbürger Alzeys

Die Junge Union Alzey / Alzey-Land reinigt gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Juden im Alzeyer Land über 12 Stolpersteine an sieben Adressen in Alzey zur Mahnung und Erinnerung an die Deportation der jüdischen Mitbürger Alzeys vor über 75 Jahren.

 

„Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens. Amen“, diesen bewegenden und ergreifenden Satz ließ Frau Renate Rosenau an jedem Stolperstein für jeden der genannten ermordeten jüdischen Mitbürger verlauten. Ein Satz der schwer wiegt, angesichts der Verbrechen der Nazis an alteingesessenen jüdischen Mitbürgern.

 

Die Junge Union Alzey / Alzey-Land sowie die Arbeitsgemeinschaft Juden im Alzeyer Land im Altertumsverein für Alzey und Umgebung e.V. mahnte der Deportation vor fast genau 75 Jahren.

 

Damals im September 1942 wurden viele Alzeyer Juden verhaftet und in die Vernichtungslager oder KZs gebracht und dort ermordet. „Einst gab es viele jüdische Geschäfte in Alzey. Modegeschäfte, Metallwaren, Schneider. Sie alle waren Teil Alzeys. Sie waren Freunde, Nachbarn, gute Bekannte. Bis die Nazis kamen und sie an den Rand der Gesellschaft drängten – und schlimmeres“, erklärt Frau Rosenau von der Arbeitsgrupe.

 

Neben dem Besuch der jüdischen Ausstellung im Alzeyer Museum war ein zentraler Bestandteil der Aktion, sieben Adressen der Stolpersteine in Alzey aufzusuchen und der 13 ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erinnern. „Viele Stolpersteine sind schmutzig und kaum mehr erkennbar. Wir haben uns daher vorgenommen, alle auf unserem Weg zu reinigen und zu polieren. Nun fallen diese wieder auf – die Menschen können wieder darüber ‚stolpern‘. Eine weiße Rose an jedem der Steine zeugt davon, dass wir unsere ermordeten Mitbürger nicht vergessen“, so der stv. Vorsitzende der Jungen Union Alzey, Arne Pettermann.

 

Dabei ist es wichtig, die Menschen nicht vor den Kopf zu stoßen. „Wir möchten die Erinnerung wach halten und mahnen. Es geht immerhin darum, dass es einmal ein jüdisches Leben in Deutschland und Alzey gab. Die über 140 jüdischen Mitbürger Alzeys und die gut 500.000 deutschen Juden fehlen deutlich spürbar“, erklärt die Kreisvorsitzende der jungen Christdemokraten, Stefanie Becker.

 

„Es ist gut, dass wir an Jahrestagen gedenken. 75 Jahre sind eine lange Zeit, mehrere Generationen. Vieles ist Geschichte und Überliefertes. Dennoch ist es ein Teil unserer deutschen Geschichte. Und das dürfen wir niemals vergessen. Nicht jeden Tag, aber doch in regelmäßigen Abständen muss man sich darüber im Klaren sein: Hier wohnten einst jüdische Mitmenschen. Vielleicht wären sie, ihre Kinder oder Enkel heute noch da, hätten die Nazis keine so schrecklichen Verbrechen verübt“, so der Vorsitzende der Jungen Union Alzey/Alzey-Land, Jens Jacob Gengnagel.

 

Die Junge Union dankt Frau Rosenau für die Vorträge und die Gelegenheit, dem jüdischen Leben in Alzey wieder eine Präsenz im Stadtbild zu geben. Ebenso dankt sie dem Floristen „Flory“ aus Alzey für die Spende von zehn weißen Rosen.