27. September 2017

Gedanken zur Bundestagswahl

Ein Plädoyer für die Demokratie und die Meinungsvielfalt (von Torsten Rohe)

Aus aktuellem Anlass:

An Sonntag hatten wir als CDU Mainz unsere Wahlparty, gekrönt von dem großartigen Sieg unserer alten und neuen Bundestagsabgeordneten Ursula Groden-Kranich, im Rathaus. Was wir zunächst nicht wussten:

Auch die ÖDP und die AfD hatten in abgetrennten Räumlichkeiten ihre Feierlichkeiten. Dass der Oberbürgermeister (SPD) uns im Vorfeld darauf nicht hingewiesen hat, lasse ich mal weiter unkommentiert, aber dass sich zur späteren Stunde eine Meute an aufgebrachten Demonstranten vor dem Rathaus zusammentrommelte und sich Angehörige aller drei Parteien in einer von der Polizei bewachten und bedrohlichen Situation wiederfanden, wirft ein denkwürdiges Licht auf diesen von gemischten Gefühlen begleiteten Abend.

Genauso musste ich den Eindruck gewinnen, dass man Parteimitgliedern anderer Parteien, gerade der AfD, die nun wahrlich nicht das vertreten, was man selbst vertritt, die Hand nicht mehr geben darf.

Ich frage mich, wo ziehen wir da die Grenze?

Darf ich dann Linken auch die Hand nicht mehr reichen?

Sprechen wir nicht gerne und vollkommen zurecht von Prinzipien des Zusammenlebens in Deutschland, die wir verteidigen und uns von nichts und niemandem nehmen lassen wollen?

Seit gestern lese ich jetzt in Printmedien und sozialen Netzwerken sehr viel über “Entfreundungen” welcher Art auch immer von Sympathisanten anderer Parteien, vornehmlich der AfD.

Viel mehr noch: Einige halten es tatsächlich für ratsam, 12,5% der Wähler in Deutschland als Nazis zu beschimpfen und abzustempeln.

Ich frage mich, genauso übrigens bei der (versuchten) Stimmungsmache mancher Medien vor der Wahl:

Wem nützt das?

Ganz unabhängig davon, dass es inhaltlich falsch ist und viel zu kurz greift.

In diesem Sinne:

Ich gebe jedem die Hand, ich toleriere andere Meinungen, auch wenn ich sie zum Teil energisch ablehne und ich würde mich über einen zielführenden Weg der Auseinandersetzung mit der AfD freuen, denn so schaffen wir meines Erachtens eines ganz sicher:

Wir entdämonisieren sie und offenbaren jedem 8. Wähler, welche Partei er in den deutschen Bundestag geschickt hat und warum seine Stimme bei einer anderen Partei deutlich besser aufgehoben ist.