12. Juni 2016

Fußball-EM – Der politische Rand steht im Abseits

Ein Standpunkt von Marc Philipp Janson aus Mainz. Aktuell studiert er Psychologie in Mannheim, ist stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union in Mainz und Mitglied im Deutschlandrat der Jungen Union.


Die Fußball-Europameisterschaft hat begonnen. Millionen Fußballfans in Deutschland und Europa freuen sich auf ein friedliches, spannendes Fußballfest. Aber nicht alle freuen sich mit. Denn sowohl Jennifer Werthwein, Landessprecherin der Grünen Jugend, als auch Alexander Gauland, AfD-Vize, haben ihre Probleme mit unserer Nationalmannschaft oder ihren Fans. Einmal mehr wird deutlich, dass sich die politischen Ränder in unserem Land näher stehen als der breiten gesellschaftlichen Mitte.

Der Deutschland-Hass aus dem soziologischen Proseminar

Deutschlandfahnen, Deutschlandtrikots, Deutschlandrufe. Dieser Dreiklang löst alle zwei Jahre beim gesamten links-grünen Block Schnappatmung und Hysterie aus. Autonome Gruppen rufen dazu auf, Deutschlandfahnen an Autos abzureißen und die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz erklärt: „Nationalismus ist eine Form von Patriotismus. Wer sich als patriotisch definiert, grenzt Andere aus.“ und die Landessprecherin Jennifer Werthwein setzt noch einen drauf: „Freude am Fußball statt an der Nation!“

Voreilig wird die Soziologie hinzugezogen, um mit dem Duktus der moralischen Überlegenheit anhand von gruppen-dynamischen Modellen zu erklären, dass der gemeine Deutschlandfan auf dem besten Weg sei, ein nationalistischer Rassist und Aggressor zu werden. Aber es würde schon genügen, auf die Straße hinaus zu gehen und sich davon zu überzeugen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Von den meisten Menschen werden die gemeinsam erlebten Fußballfeste als identifikationsstiftend, gesellschaftlich verbindend und positiv beschrieben. Je stärker sich Menschen mit diesen positiven Werten identifizieren und diese übernehmen, desto größer ist der Mehrwert für unsere Gesellschaft.

Die Mannschaft – Integrationsmotor und Schreckensszenario für Überfremdungsphobiker

Es verwundert doch sehr, wenn diejenigen, die Multikulti und Toleranz predigen, genau dann auf die Barrikaden gehen, wenn die Gesellschaft das erfolgreichste Integrationsprojekt im Land bejubelt. Denn während dem linken Block die EM zu nationalistisch ist, ist unsere Mannschaft dem rechten Block nicht deutsch genug. Wenn ein Alexander Gauland, gewohnt diffus und verklausuliert, dem Deutschen nachsagt, er hätte ein Problem damit, einen Jérôme Boateng als Nachbarn zu haben, dann ist das noch ein Grund mehr, unsere Nationalmannschaft anzufeuern. Diese Mannschaft besteht aus dem Münchner Thomas Müller, dem Gelsenkirchner Manuel Neuer, dem ebenfalls in Gelsenkirchen geborenen Sohn türkischer Zuwanderer Mesut Özil und eben jenem in Berlin geborenen Jérôme Boateng mit Wurzeln in Ghana. Diese Mannschaft symbolisiert die Vielfalt, die unsere Gesellschaft mittlerweile prägt. Fußball, wie Sport im Allgemeinen, ist kultur- und schichtenübergreifend. Viele lokale Flüchtlingsprojekte fördern mit gemeinsamen Sport die Integration und Sportvereine nehmen eine wichtige gesellschaftliche Rolle ein.

Flagge zeigen und den politischen Rand ins Abseits stellen

Fußballfeste, wie die jetzt auf uns zu kommende EM, treffen sowohl links als auch rechts ins Mark.
Während der EM wird unsere Nationalfahne wieder für ein Deutschland stehen, wie wir es kennen. Weltoffen, freundlich, zusammenhaltend. In den letzten Monaten waren vor allem die nationalistische Pegida-Bewegung oder AfD-Funktionäre in Fernsehsendungen mit der Deutschlandfahne in Erscheinung getreten. Die nationalistischen Bewegungen befürchten, dass sie die von ihnen missbrauchten Symbole verlieren. Gleichzeitig ahnt der linksradikale und autonome Block, dass ihm sein Feindbild vom xenophoben Fahnenschwenker abhanden kommt. Es wäre daher wünschenswert und unserer Demokratie dienlich, wenn die Verbundenheit der Gesellschaft zu Schwarz-Rot-Gold die EM überdauern würde. Wir sollten stolz auf die Fahne und die Werte sein, die diese verkörpert, und wir sollten auch öffentlich für diese einstehen.

Während Jennifer Werthwein und Alexander Gauland heute Abend mit ihrer jeweiligen Engstirnigkeit alleine bleiben, werden wir und Millionen andere Fans mit Freuden zusammen „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland“ anstimmen, wenn unsere Nationalmannschaft in ein hoffentlich erfolgreiches Turnier startet!