15. Dezember 2016

BLACK.blog-Standpunkt: Schluss mit dem PISA-Irrsinn

Ein BLACK.blog-Standpunkt von Christopher Hauß. Der 20-jährige Student ist Mitglied im Kreisvorstand der JU Germersheim und Teil des Arbeitskreises Bildung der JU Rheinland-Pfalz.

Deutsche Schüler sind schlecht. Dieses Resultat bieten die zuletzt erschienenen TIMSS- und IQB-Studie, trotz der nach dem „PISA-Schock“ angestoßenen Reformen und dem Umkrempeln weiter Teile der deutschen Schullandschaft.
Am Dienstag erschien die nächste PISA-Studie und es bleibt zu erwarten welche heilbringenden Reformen quer durch die Republik von Bildungspolitikern angekündigt werden.

Besonders in Rheinland-Pfalz wird die Regierung wieder tief in die Zauberkiste greifen um das Bildungsdefizit und eventuelle soziale Unterschiede in Zukunft abzubauen…wie nach der letzten PISA-Studie.

Damals war das Ziel vermehrt höhere Bildung für sozial niedrigere Schichten zu öffnen. So ehrenwert das Ziel ist, so prekär war die Umsetzung: in Rheinland-Pfalz beispielsweise wurde zwar die Hauptschule abgeschafft, die Hauptschüler allerdings gibt es immer noch. Seitdem sitzen in den Realschulen plus Schüler verschiedensten Typus in einer zu großen Klasse und müssen alle zusammen von einer Lehrkraft ausgebildet werden, was eindeutig auch auf Kosten der ehemaligen Hauptschüler ging. Anstatt eine Förderung außerhalb des schulisch/akademischen Bildungsweges aufzubauen und die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu erhöhen wurde mit Hochdruck daran gearbeitet die Quote der Abiturienten zu erhöhen, was auf Kosten der Qualität ging.

Mit der „wahren Lehre“ die man aus der PISA-Studie erlangt hatte ging es fortan nur darum die Zahl der Akademiker in unseren Reihen zu erhöhen, da wir laut PISA hier gegenüber dem Ausland Nachholbedarf hatten. Die Folgen dieses Vorhabens werden langsam in dem nun oft beschrienen „Facharbeitermangel“ ersichtlich. Schüler die früher eine berufliche Karriere anstrebten und damit Karriere machten wurden durch die Bildungspolitik dazu gedrängt Abitur und Studium zu absolvieren und tauchten in einem grauen Meer aus Akademikern unter.
Soviel zur Umsetzung, in der Annahme die Erkenntnisse aus der PISA-Studie wären tatsächlich die „wahre Lehre“ gewesen. Doch waren sie das?

Ohne Frage gab und gibt es Defizite im deutschen Bildungssystem. Die meisten lassen sich allerdings auf Unterfinanzierung zurückführen, weshalb es zum Beispiel nicht möglich ist die Größe der Klassen zu halbieren um eine bessere Betreuung wie in Finnland zu garantieren.

Doch die schon angesprochenen Bildungsstudien erfassen lediglich absolut wertneutral die Leistungen der Schüler in MINT-Fächern und der Muttersprache der Schüler. Am Anfang der 2000er-Jahre fand die These das eine Volkswirtschaft mit ihren Leistungen in den MINT-Fächern steht und fällt noch breite Zustimmung. Nach dem Platzen der „New-Economie-Blase“ und mehr als einer Dekade digitalen Fortschritts muss allerdings die Erkenntnis her dass die Kreativität der Schüler für die Volkswirtschaft viel wichtiger ist als Grundrechenarten, hierfür gibt es inzwischen eine exorbitante Zahl an Computern. Innovationen sind das Kapital für Wachstum. Diese fördert man nicht in dem man möglichst alle Schüler in einen Topf packt und Allen das gleiche lehrt, das schafft zwar scheinbar absolute Chancengleichheit ist allerdings auch der k.o. für Innovationen.

Zudem ist die Brisanz der am Dienstag erschienenen PISA-Studie in Frage zu stellen, da die Folgen von Entscheidungen im Bildungssystem erst nach 10 bis 15 Jahren offensichtlich werden, so die Meinung von Experten. Das heißt es zeigt sich gerade erst die Wirkung aus den Reformen nach der letzten PISA-Studie und schon wurde die Nächste erstellt.

Zu hoffen bleibt dass deutsche Bildungspolitiker sich endlich wieder zu den Stärken des deutschen Bildungssystem, vor allem der dualen Ausbildung, bekennen und den Akademisierungswahn stoppen. Doch zumindest in Rheinland-Pfalz wird PISA wohl nur wieder Öl auf die ideologische Flamme der Grünen und SPD sein.